Dissoziative Identitätsstörung

InfoInfo
Search:    

    1. Definition
    2. Erläuterung
      1. Derealisation
      2. Dissoziative Amnesie
      3. Konversionsstörungen und Somatisierung
      4. Dissoziative Fugue
      5. Dissoziative Identitätsstörung (Multiple Identitätsstörung)
    3. Ursachen
    4. Häufigkeit
    5. Begleitsymptome
    6. Therapie
    7. Behandlungsphasen
    8. Diagnosekriterien
      1. Diagnosekriterien der Dissoziative Amnesie (psychogene Amnesie) nach DSM-IV
      2. Diagnosekriterien der Depersonalisationsstörung nach DSM-IV
      3. Diagnosekriterien der Dissoziative Fuge ( Psychogene Fuge) nach DSM-IV
      4. Diagnosekriterien der Dissoziativen Identitätsstörung ( *MPS) nach DSM-IV
      5. Diagnosekriterien der Nicht Nähe Bezeichneten Dissoziative Störung nach DSM-IV

Definition

Die dissoziative Identitätsstörung ist gekennzeichnet durch einen mehr oder weniger deutlichen Verlust der psychischen Integration des Erlebens und Handelns.Zumeist handelt es sich um eine kurzzeitige Unterbrechung der eigenen Bewusstheit, des Gedächtnisses, des Identitätserlebens oder der Wahrnehmung der Umwelt. In Einzelfällen kann dieser Bewusstseinsverlust längere Zeit andauern. Der Verlust von integrativen Funktionen des Bewusstseins stört, verändert oder verhindert die Erfahrung der Ganzheitlichkeit der eigenen Person.
Konkret können sich dissoziative Störungen auf einzelne oder mehrere integrativ bedeutsame Prozesse beziehen.
Diese betreffen z.B. die Erinnerung an die Vergangenheit, das Identitätsbewusstsein oder das Erleben von Kontrolle über Körperempfindungen und Körperbewegungen. Sie können plötzlich oder allmählich auftreten und sowohl vorübergehender Natur sein als auch chronisch verlaufen.

Erläuterung

Dissoziative Phänomene und Symptome treten nur selten als Einzelstörungen in Erscheinung. Häufig sind sie in die Verarbeitung traumatischer Erfahrungen eingebunden. Auch bei nicht dissoziativen psychischen Störungen gehören sie gelegentlich zur Symptomatik dazu.
Dies gilt beispielsweise für die Depression, die Schizophrenie oder die Borderline Persönlichkeitsstörung. Nach wie vor ist unklar, ob Dissoziationen in solchen Fällen lediglich als zugehörige Merkmale/ Kriterien dieser Störungen aufgefasst werden sollten. Wäre das angemessen, dann würden z.B. Schizophrenie oder Borderline Persönlichkeitsstörung weiterhin als Hauptdiagnosen gelten, und Dissoziationen fänden dann eher periphere Beachtung.Es gibt inzwischen gute Gründe und Belege, dissoziative Phänomene im Kontext anderer psychischer Störungen nicht nur als zugehörige Merkmale zu betrachten. Auch bei 'anderen Störungen werden sie vor allem dann beobachtet, wenn sich deutliche Hinweise auf traumatische Vorerfahrungen der Betroffenen finden. Zumeist lassen sich die dissoziativen Störungen statistisch aus einer vorbestehenden Traumatisierung herleiten. Das Trauma selbst ermöglicht keine spezifische Voraussage auf die jeweiligen nicht dissoziativen Störungen.
Daraus leitet sich die Forderung ab, dissoziative Störungen, die im Zusammenhang mit andersartigen Störungen beobachtet werden, in Die Person fühlt sich fremd im eigenem Körper - sie beobachtet sich von außen. Dabei reagieren die Personen völlig angemessen auf ihre Umwelt.
Allerdings können Sinneswahrnehmungen oder auch Körpergefühle, wie Hunger und Durst, aber auch Schmerz gestört sein.

Derealisation

Dabei wird durch ein Gefühl der Unwirklichkeit die Umwelt als fremd oder verändert wahrgenommen.

Dissoziative Amnesie

Der betreffenden Person fehlen wichtige Erinnerungen zur eigene Geschichte, weit über das Maß der normalen Vergesslichkeit hinaus.

Konversionsstörungen und Somatisierung

Hierunter werden Verschiebungen von Trauma-Erfahrungen in körperliche Symptome verstanden. Fiedler und andere rechnen auch diese unter den Oberbegriff der dissoziativen Störungen.

Dissoziative Fugue

Hierunter wird das unerwartete weggehen von der gewohnten Umgebung verstanden, das bis zur Annahme einer neuen Identität bei gleichzeitiger Desorientiertheit zur eigenen Person führen kann.

Dissoziative Identitätsstörung (Multiple Identitätsstörung)

Nach dem DSM-IV (Diagnostische und Statistische Manual Psychischer Störungen) müssen mehr als eine getrennte, völlig unterschiedliche Identität oder Persönlichkeitszustände vorhanden sein und im Wechsel das Verhalten des Betroffenen bestimmen. Betroffene selber sprechen auch eher von einem Überlebenssystem als von einer Krankheit.

Ursachen

Die Störung, die seit 1980 international anerkannt ist, wird auf (frühe) schwere Traumatisierungen zurückgeführt, darunter länger andauernde wie Misshandlungen und Vernachlässigung sowie im besonderen Sexueller Missbrauch, oder extreme Erlebnisse mit Verletzten und Toten (z.B. Krieg), besonders wenn die Eltern oder Geschwister ermordet wurden. Es wurde festgestellt, dass 96% aller Betroffenen in frühster Kindheit (meist vor dem 5. Lebensjahr) fortgesetzt sexuellem oder körperlichem Missbrauch ausgesetzt waren, oder stark vernachlässigt wurden, bis hin zur Verwahrlosung.Bei 80% dieser Patienten ließen sich alle drei Formen der Traumatisierung nachweisen. In besonders gravierenden Fällen waren die Kinder Opfer rituellen Missbrauchs im Rahmen von Sekten oder Kulten. Bei den übrigen 4% fand sich, dass die Betroffenen als Kinder während einer Operation aus der Narkose aufgewacht waren. Bei diesen Patienten ist die Erkrankung meist weniger stark ausgeprägt und es finden sich weniger Teilidentitäten.

Häufigkeit

Schätzungen, wie häufig die Dissoziative Persönlichkeitsstörung auftritt, schwanken stark.
Es finden sich Zahlen von 1:5.000 bis zu 1:2.500.000.
Unter stationären psychiatrischen Patienten wurde bei ca. 5% eine Dissoziative Identitätsstörung diagnostiziert.
Frauen sind etwa viermal häufiger als Männer betroffen.

Begleitsymptome

Da es eine ganze Reihe von begleitenden Symptomen gibt, ist eine sichere Diagnose sehr schwer.
Gesicherte Diagnosekriterien sind zur Zeit noch nicht bekannt.
Meist wird sie erst lange nach Beginn einer Therapie erkannt.

Therapie

Bei einer Therapie gilt es, möglichst alle Persönlichkeitsanteile zu erkennen und entsprechend zu behandeln.
Im Gegensatz zu englischen Methoden, die als Behandlungsansatz die Zerstörung der einzelnen Persönlichkeiten haben, haben sich in Amerika, den Niederlanden und zunehmend auch in Deutschland Methoden zur Kontrolle und Kooperation der Persönlichkeiten als erfolgreich und erstrebenswert erwiesen.
Im Idealfall ist eine Verschmelzung der Anteile anzustreben, dies gelingt jedoch nur selten.
Zunächst muss in einer oft jahrelangen Therapie eine genügende Stabilisierung erreicht werden.
Dann kann in einer Auseinandersetzung mit dem Trauma eine Traumasynthese angestrebt werden, an die sich in einem letzten Therapieschritt Re-Integration der einzelnen Anteile und Neuorientierung des Betroffenen anschließen können.

Behandlungsphasen

Bei Betroffenen, die Opfer rituellen Missbrauchs waren, müssen in der Behandlung auch von den Tätern bewusst gesetzte Programme berücksichtigt werden, die z.B. in Kulten eingesetzt werden.

Diagnosekriterien

Diagnosekriterien der Posttraumatische Belastungsstörung nach DSM-IV

Diagnosekriterien der Dissoziative Amnesie (psychogene Amnesie) nach DSM-IV

  1. Das vorherrschende Störungsbild zeigt sich in einer oder mehren Episoden, in denen eine Unfähigkeit besteht, sich an wichtige persönliche Informationen zu erinnern, die meist traumatischer oder belastender Natur sind; diese sind zu umfassend, um durch gewöhnliche Vergesslichkeit erklärt zu werden.

  2. Die Störung tritt nicht ausschließlich im Verlauf einer Dissoziativen Identitätsstörung, Dissoziativen Fugue, Posttraumatischen Belastungsstörung, Akuten Belastungsstörungen oder Somatisierungsstörung auf und geht nicht zurück auf die direkte körperliche Wirkung einer Substanz (z.B. Droge, Medikament) oder eines neurologischen oder anderen medizinischen Krankheitsfaktor (z.B. eine Amnestische Störung aufgrund eines Schädel-Hirn-Traumas)

Die Symptome verursachen in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen.

Diagnosekriterien der Depersonalisationsstörung nach DSM-IV

Das Depersonalisationserleben tritt nicht ausschließlich im Verlauf einer anderen psychischen Störung auf wie Schizophrenie, Panikstörung, Akute Belastungsstörung oder einer anderen Dissoziativen Störung, und geht nicht auf die direkte körperliche Wirkung einer Substanz (z.B. Droge, Medikament) oder eines medizinischen Krankheitsfaktors zurück (z.B. Temporallappen-Epilepsie)

Diagnosekriterien der Dissoziative Fuge ( Psychogene Fuge) nach DSM-IV

  1. Das vorherrschende Störungsbild ist ein plötzliches, unerwartetes Weggehen von zu Hause oder vom gewohnten Arbeitsplatz, verbunden mit der Unfähigkeit, sich an seine Vergangenheit zu erinnern.

  2. Verwirrung über die eigene Identität oder die Annahme einer neuen Identität (teilweise oder vollständig)

  3. Die Störung tritt nicht ausschließlich im Verlauf einer Dissoziativen Identitätsstörung auf und geht nicht auf die direkte körperliche Wirkung einer Substanz (z.B. Droge, Medikament) oder eines medizinischen Krankheitsfaktors zurück (z.B. Temporallappen-Epilepsie)

Die Symptome verursachen in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen.

Diagnosekriterien der Dissoziativen Identitätsstörung ( *MPS) nach DSM-IV

  1. Die Anwesenheit von zwei oder mehreren unterscheidbaren Identitäten oder Persönlichkeitszustände (jeweils mit einem eigenen, relativ überdauernden Muster der Wahrnehmung von, der Beziehung zur und dem Denken über die Umgebung und das Selbst)

  2. Mindestens zwei dieser Identitäten der Persönlichkeitszustände übernehmen wiederholt die Kontrolle über das Verhalten der Person.

  3. Eine Unfähigkeit, sich an wichtige persönliche Informationen zu erinnern, die zu umfassend sind, um durch gewöhnliche Vergesslichkeit erklärt zu werden.

  4. Die Störung geht nicht auf die direkte körperliche Wirkung einer Substanz (z.B. Blackouts oder ungeordnetes Verhalten während einer Alkoholintoxikation) oder eines medizinischen Krankheitsfaktors zurück (z.B. komplex- partielle Anfälle)

Beachte: Bei Kindern sind die Symptome nicht durch imaginierte Spielkameraden oder andere Phantasiespiele zu erklären.
* Muötiple Persönönchkeitstörung

Diagnosekriterien der Nicht Nähe Bezeichneten Dissoziative Störung nach DSM-IV

Diese Kategorie ist für Störungen gedacht, bei denen das vorherrschende Merkmal ein dissoziatives Symptom ist (d.h. eine Unterbrechung von integrativen Funktionen des Bewusstseins, des Gedächtnisses, der Identität oder der Wahrnehmung der Umgebung), das nicht die Kriterien für irgend eine spezifische Dissoziative Störung erfüllt.

Beispiele sind unter anderem:

  1. Fälle, die einer Dissoziativen Identitätsstörung ähneln, die jedoch nicht sämtliche Kriterien für diese Störung erfüllen. Beispiele sind

    1. Es existieren nicht zwei oder mehr abgrenzbare Persönlichkeitszustände oder

      b.Amnesie für wichtige persönliche Informationen tritt nicht auf.

  2. Derealisation, die nicht von Depersonalisation begleitet wird.

  3. Zustände von Dissoziation bei Personen, die einem langen und intensiven Prozess von Zwangsmaßnahmen zu Veränderung von Einstellungen ausgesetzt waren (z.B. „Gehirnwäsche“, Gedankenbeeinflussung oder Indoktrination in Gefangenschaft)

  4. Dissoziative Trance-Störung: einzelne oder wiederkehrende Störungen des Bewusstsein, der Identität oder des Gedächtnisses, die in bestimmten Gebieten oder Kulturen verbreitet sind. Dissoziative Trance beinhaltet eine eingeschränkte Bewusstheit von unmittelbaren Umgebungsbedienungen oder stereotypes Verhalten oder Bewegungen, die erfahren werden als seien sie außerhalb der eigenen Kontrolle.

  5. Bewusstseinsverlust, Stupor oder Koma, die nicht auf eine körperliche Erkrankung zurückgeführt werden können.

    Portal Inhaltsverzeichnis Events Board Help

This is a Wiki Spot wiki. Wiki Spot is a 501(c)3 non-profit organization that helps communities collaborate via wikis.